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Botschafter in Sachen Gesang Männerkammerchor Sonnenberg auch viel im Ausland unterwegs.
Vom 27.07.2007
Unter der Rubrik "Klangvoll" stellt das Tagblatt in unregelmäßigen Abständen Chöre und Gesangsvereine vor. Von Anja Baumgart-Pietsch
"Handbremse lösen, lieber Tenor", empfiehlt Holger Wittgen seinen Sängern. Die arbeiten an vertrackten Harmonien und Akkorden aus der Feder Mendelssohns: "Wasserfahrt" heißt das traurige Gedicht von Heinrich Heine, das der Komponist einfühlsam vertont hat. Nicht ganz einfach - aber einfache Literatur möchte der Männerkammerchor Sonnenberg auch nicht unbedingt singen. Unter Chorleiter Holger Wittgen, der seit zwölf Jahren dieses Amt als Nachfolger von Klaus Ochs innehat, arbeitet man an einem anspruchsvollen Repertoire vom Kunstlied bis zum Barbershop-Song. Der Männerkammerchor entstand aus einem Traditions-Gesangverein, der sich bereits 1865 gründete. Damals waren die Wettbewerbe und Gesangswettstreite von großer Bedeutung, noch heute künden zahlreiche Pokale in allen Größen, die in einem reich verzierten Schrank im Proberaum aufbewahrt werden, von den Erfolgen vergangener Jahrzehnte. Auch im Radio war der Chor bereits 1927 zu hören. In späteren Jahren pflegten die Sonnenberger Männer viele Kontakte ins Ausland. 1987 nahmen sie den jetzigen Namen an und sind seitdem in kleinerer Besetzung aktiv: Zwölf Herren sind es aktuell, die hier gemeinsam singen. "Natürlich sind uns neue Sänger willkommen", sagt Holger Wittgen. Das ist jedoch nicht einfach; noch immer haftet ihnen das Männergesangvereins-Etikett an - "und das zieht nicht unbedingt Jüngere Klangvoll an", weiß Wittgen. Doch wer Lust hat mitzusingen, der darf selbstredend gerne mal in eine Probe kommen. "Ein Vorsingen brauchen wir bei dieser geringen Anzahl an Sängern nicht", schmunzelt der Chorleiter. Intonationssicher und qualitätsbewusst sollte man aber schon sein - und auch an musikalischer Weiterbildung interessiert. Die Männer fahren ein- bis zweimal im Jahr zu einem intensiven Probenwochenende, auch eine Stimmbildnerin kümmert sich regelmäßig um den Chor. 1993 übrigens waren die Sänger stolze Preisträger des Kulturpreises der Stadt Wiesbaden. Dies ist nicht zuletzt den vielen Konzerten und internationalen Chorbegegnungen zu verdanken, die der Chor organisiert hat. Gern erinnert man sich an das "Sonnenberger Vocal-Abo", das viele namhafte Ensembles in den Kaisersaal des Vorortes brachte. "Ganz so viel können wir momentan nicht stemmen", sagt Vorstandsmitglied Holger Schlosser. Doch ab und zu organisiert man immer noch ein Gastspiel - oder reist gleich selbst ins nahe und ferne Ausland. Slowenien, Österreich, Israel - die Sonnenberger sind im Zeichen der Musik schon recht weit herumgekommen. Die nächste Reise wird die Sänger im Oktober nach Belgien führen. Gut arbeitet man auch mit Holger Wittgens zweitem Chor, den Damen von "arsoni" zusammen. Beim Weihnachtskonzert unter dem Motto "Sonnenberger Advent" werden diese beiden Ensembles auch in diesem Jahr wieder zu hören sein - dies ist auch die nächste Möglichkeit, den Chor in Wiesbaden live zu erleben. Wer so lange nicht warten möchte, kann eine CD mit "Männerchören der Romantik" erwerben. Übrigens sind die Sänger immer noch durchaus traditionsbewusst: So reisten sie Anfang Juli nach Marburg, um sich dort des 100. Jahrestages eines Sängerwettstreites zu erinnern, bei dem man 1907 höchste Erfolge feierte. Über 400 Chorwerke lagern in farbigen Mappen im Repertoire-Schrank des Probenraumes in der Thalschule. Darunter Zeitgenössisches, Renaissancemusik, Romantisches und Klassisches. Rheinberger, Silcher, Janacek, Harald Genzmer - die Liste der Komponisten ist lang. "Gospel oder Pop sind aber nicht so unser Metier", gibt Holger Wittgen zu. Beim "Chattanooga Choo choo" ungefähr hört es auf. Im übrigen pflegt der Chor auch gute Gemeinschaft. Nicht umsonst, schmunzelt Wittgen, stehen im Probenraum sowohl ein Flügel als auch eine Theke.
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